Tiere als sozialer Katalysator

Eisbrecher Theorie

Boris Levinson ist der wohl meist zitierteste Praktiker, wenn in der Literatur zur „Mensch-Tier-Beziehung“ der „soziale KatalysatorEffekt“ beschrieben wird. Levinson berichtet im Jahr 1964, dass ihm die Kommunikation mit einem Jungen erst gelang, als sein Hund Jingles zufällig anwesend war:

„Die Eltern eines Jungen, der lange Zeit erfolglos behandelt wurde, baten Levinson, die Behandlung ihres Sohnes zu übernehmen. Daraufhin lud er sie zu einem Gespräch in seine Praxis ein. Die völlig verzweifelten Eltern erschienen bereits eine Stunde vor dem verabredeten Termin. Zu dieser Zeit war zufällig Levinsons Hund Jingles in der Praxis. Auf die stürmische Begrüßung durch Jingles reagierte der Junge nicht ängstlich, sondern drückte und streichelte das Tier. Nach einer Weile fragte das Kind, ob wohl alle Kinder, die in seine Praxis kamen, mit dem Hund spielen dürften. Auf die zustimmende Antwort des Psychologen erklärte der Junge, dann auch wiederkommen zu wollen, um mit dem Hund zu spielen. Dies tat er dann einige Sitzungen lang, ohne Levinson selbst Beachtung zu schenken. Allmählich wurde dieser aber in das Spiel mit einbezogen. Langsam entwickelten die beiden eine gute Arbeitsbeziehung, an deren Ende die Rehabilitation des Jungen stand.“

Diese Aufzeichnungen markierten den Beginn der modernen tiergestützten Intervention.

Eine Reihe Studien beschäftigten sich bisher mit dem Effekt des sozialen Katalysators. Sams, Fortney und Willenbring untersuchten in ihrer Studie im Jahr 2006 die Auswirkung der Anwesenheit eines Hundes während einer Beschäftigungstherapie bei autistischen Kindern. Das Ergebnis zeigte, dass die Kinder während der Anwesenheit des Hundes einen signifikant höheren Sprachgebrauch und mehr soziale Interaktion mit den anwesenden Gleichaltrigen zeigten.

Ein ähnliches Ergebnis zeigen die Ergebnisse von Prothmann, Bienert und Ettrich ebenfalls im Jahr 2006. Sie zeigten in ihrer Studie, dass sich Kinder mit unterschiedlichen psychiatrischen Störungen bei der Anwesenheit eines Hundes während einer psychotherapeutischen Sitzung sozial offener gegenüber anderen verhielten.

Eine weitere Studie von Prothmann und Ettrich im Jahr 2009 zeigte, dass autistische Kinder innerhalb eines standardisierten Settings länger und häufiger mit einem Hund interagierten als mit einem anwesenden Menschen.

Zusammenfassend wird deutlich, dass der „soziale Katalysator-Effekt“, in der Literatur auch bekannt als Eisbrecher-Theorie, immer mehr durch empirische Studien belegt wird und dass die Mensch-Tier-Interaktion das Potenzial hat, „soziale Interaktionen zwischen Menschen zu stimulieren und prosoziales Verhalten zu fördern.“