Wirkmechanismen

...das Tier als...

Wirkmechanismen tiergestützter Intervention

„Ein Tier kann dem Kind dabei helfen, die Aufgabe des Großwerdens zu meistern.“

Das Zitat des amerikanischen Kinderpsychotherapeuten Boris M. Levinson deutet bereits auf einen positiven Einfluss von Tieren hin, die Kinder bei der Herausforderung des Heranwachsens unterstützen können.

Charlotte Hübsch stellt in ihrer Diplomarbeit an der evangelischen Fachhochschule Nürnberg „Kinder- und Jugendhilfe mit Kuh, Katze und Co. das Tier im Kontext erzieherischer Hilfen“ heraus, warum der Einsatz von Tieren besonders in der Arbeit mit schwierigen Kindern wertvoll sein kann. Charlotte Hübsch untersuchte dieses am Beispiel der Jugendhilfeeinrichtung Martin-LutherHaus in Nürnberg und formuliert die Ziele, die mit der tiergestützten Intervention verfolgt werden. Sie unterschied hierbei zwischen einer Förderung im emotionalen Bereich, einer Förderung im sozialen Bereich, einer Förderung im motorischen Bereich, einer Förderung im arbeitserzieherischen Bereich und einer Förderung im bildenden Bereich.

In ihrer Fallstudie kommt Charlotte Hübsch zu dem Ergebnis, dass alle Kinder in allen genannten Bereichen nachhaltig durch den Einsatz der Tieres gefördert wurden. Besondere Erfolge konnten im Bereich der sozialen und emotionalen Kompetenzen festgestellt werden.

Reinwald, Leiter der Einrichtung beschreibt die Beziehung der Kinder und Jugendlichen zu den Tieren wie folgt: „Tiere brauchen mich, ich muss für sie sorgen. Sie bringen mich zum Lachen, ich kann mit ihnen schmusen. Sie urteilen nicht über meine Misserfolge. Und sie helfen mir, meine Gefühle zu zeigen. Vor allem aber: Sie sind eine konstante Bezugsperson in meinem Leben.“

Die psychischen und sozialen Wirkungen von Tieren fasst Nestmann bereits 1994 wie folgt zusammen:

1. „Stabilisieren der Befindlichkeiten: bedingungslose Akzeptanz und Zuneigung, Bestätigung, Trost, Ermutigung, Zärtlichkeit und körperliche Nähe, Begeisterung;

2. Förderung von positivem Selbstbild, Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein: konstante Wertschätzung, Erfahrung von Selbstwirksamkeit, Bewunderung erfahren, Gefühl, gebraucht zu werden, Verantwortungsbedarf, Bewältigungskompetenz;

3. Förderung von Kontrolle über die Umwelt und sich selbst: Kontrollerfahrung durch Pflege, Versorgung, Führung, Gehorsamkeitserziehung; dabei Selbstkontrolle, Sensibilisierung für eigene Bedürfnisse und Ressourcen, Copingfähigkeiten, Kompetenz, Zutrauen;

4. Förderung von Sicherheit, Selbstsicherheit und Abbau von Angst: bedingungslose Akzeptanz, wertfreie konstante und kontinuierliche Zuneigung, unkritische Bewunderung, unbedrohliche belastungsfreie Interaktionssituationen, einfache, basale Lebenserfahrungen;

5. Stressreduktion, Beruhigung und Entspannung: Änderung der Wahrnehmung und Interpretation von Belastungen, Gelassenheit, Trost, Beruhigung, Ablenkung von Angst machenden Stressoren, Umwertung von belasteten Ereignissen, Aufwertung kleiner Freuden;

6. Soziale Integration: Erfüllung des Bedürfnisses nach Anschluss, Zusammensein, Geborgenheit, Erfahrung von Nähe, Gemeinsamkeit;

7. Regressions-, Projektions- und Entlastungsmöglichkeit: stilles Zuhören, ermöglichen von affektiver Entladung und emotionaler Offenheit; Erinnerungsstütze, Identifikation- und Projektionsfläche;

8. Antidepressive und antisuizidale Wirkung: Gemeinsamkeit, Vertrauen und Vertrautheit, sicherer Halt und emotionale Zuwendung, Reframing von Stresserlebnissen, Förderung einer aktiven Bewältigungsstrategie, Förderung von Aktivität, Verantwortung, Bezogenheit, Trost und Ermutigung, Erleben von Freude, Spontanität und Spaß.

9. Aufhebung von Einsamkeit und Isolation: direkt durch Tierkontakt, indirekt durch Förderung zwischenmenschlicher Interaktionen in Gegenwart von Tieren – „Sozialer Katalysator“, Erleichterung der Kontaktaufnahme durch „Eisbrecher“-Funktion;

10. Nähe, Intimität und Körperkontakt;

11. Streitschlichtung, Familienzusammenhalt und Rettung der Beziehung: Tiere selbst bieten eine Fülle an Gesprächsstoff, stärkere intrafamiliäre Kommunikation, Stärkung des Gefühls der Zusammengehörigkeit;

12. Positive soziale Attribution: „Sympathiebonus“, Erleichterung offener und unverkrampfter Interaktionen.“

Es gibt mittlerweile eine Vielzahl von Studien, die diese psychischen und sozialen Wirkungen von Tieren empirisch unterstützen.

Es gibt mittlerweile eine Vielzahl von Studien, die diese psychischen und sozialen Wirkungen von Tieren empirisch unterstützen.